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Die Flüsse Euphrat und Tigris Die Lebensadern Bethnahrins
Die Flüsse Euphrat und Tigris Die Lebensadern Bethnahrins

Mesopotamien, das Land der zwei Flüsse Euphrat und Tigris, wird als Wiege der menschlichen Zivilisation bezeichnet. Die ersten Spuren zivilisierten Lebens führen weit über das 11. Jahrtausend vor der Geburt Jesu Christi zurück. Funde aus der Gegend um Urhoy und Tell Halaf zeugen von dieser Gesellschaft. Weil der Mensch in dieser Zeit den entscheidenden Schritt zur Kultivierung und Sesshaftigkeit machte, wird diese Phase als "Neolithische Revolution" bezeichnet. Beste Voraussetzungen für die Kulmination in die "urbane Revolution" waren die fruchtbaren Ebenen Mesopotamiens. Geographisch geben die oft erwähnten Flüsse Euphrat und Tigris dem Land seine beeindruckte Schönheit. Als Lebensader des Landes haben sie seit Menschengedenken eine übergeordnete Rolle gespielt und tun es gegenwärtig noch immer. Der Wasserreichtum von Euphrat und Tigris war die notwendige Grundlage, um die fruchtbaren Schwemmlandböden zu nutzen und die Ernährung der rasch anwachsenden Bevölkerung zu sichern. Aus dieser Konstellation heraus, bildeten sich in Ägypten am Nil, in China am gelben Fluß und in Bethnahrin am Euphrat und Tigris, die ersten Zivilisationen der Menschheit. Eine Weiterentwicklung zu Hochkulturen gelang nur dort, wo die Menschen den gegebenen Naturraum wirkungsvoll nutzen konnten, ohne dabei ihre Kraft und Energie im Kampf gegen die Natur zu verschleißen. Es sind Landschaften, in denen eine im Vergleich zu angrenzenden Gebieten bessere Ausstattung mit den Faktoren gegeben ist, die die natürliche Umwelt des Menschen ausmachen und die Entwicklung zur Kulturlandschaft steuern: Relief, Boden, thermische und hydrologische Bedingungen, Fauna und Flora. Die Menschen fanden solche Gunsträume besonders in Mesopotamien vor und sie haben es glänzend verstanden, sie in Wert zu setzen.

EUPHRAT

Der Fluß Euphrat auf der Weltkarte betrachtet, liegt in Westasien; jedoch auf der Landkarte von Bethnahrin gesehen, entsteht der Euphrat im Norden, zieht Richtung Süden, formt den nordwestlichen Teil des Landes und ergibt eine Länge von 2780 Kilometern.

Der Euphrat hat zwei Hauptarme, einer davon ist Karasu, mit einer Länge von 460 Kilometern. Karasu beginnt bei dem Dumlu Gebirge im Nordosten der Stadt Erzurum, bewässert die Landschaften von Erzurum und Erzincan, überwindet die Bergengen des Nordens von Munsur und vereint sich mit dem 2. Arm namens Murat. Das Wasser von Murat entsteht wiederum aus dem Berg Aladaw, der nordwestlich von Vansee liegt und ergibt eine eigenständige Länge von 722 Kilometern. Später sieht Murat durch die Ebenen von Malazgirt und Mush und läßt das Mastar Gebirge im Nordwesten der Stadt Bingöl zurück. Allerdings diese beiden Arme ziehen vereint Richtung Nordosten der Stadt Elazig, bilden im Norden von Malatya eine scharfe Kurve und ziehen in den Südosten weiter. Von da an, geht es durch die Ostkante der Ebene von Malatya, dann mit dem Wasser von Kurucay und Tokma in die Ulu Engpässe hinein und schließlich durch den südlichen Teil des Taurus Gebirge hindurch. Nach 50 Kilometern Länge und manchmal bis zu 500 Meter hochragenden Engpässen, begegnen diese beiden Arme dem Wasser von Gerger, fließen nun in einem Tal durch die leichten Wellen der Ebenen im Südwesten Adiyamans und von Nordwesten der Provinzstadt Urfa nochmals Richtung Osten.

Außerdem vereinen sich noch einige andere Quellen und Bäche mit dem Euphrat und verstärken seine majestätische und legendäre Gewalt. Dabei nimmt der Euphrat die Wassern von Kahta, Göksu, Nizip und Sacur mit, fließt später im Osten der Stadt Antep und zieht im Westen von Urhoy (Urfa) nochmals Richtung Nordosten. Danach strömt der Euphrat zwischen Nizip und Bilecik und setzt seinen Gang von Norden Bethnahrins, Richtung Süden des Landes fort. Nachdem der Euphrat reichlich Wasser aus dem Norden mitgeschleppt hat, erreicht er jenen Teil des Landes, der sich unter syrischer und irakischer Herrschaft befindet und eilt Richtung Südosten fort.

Das Flußbett vom Euphrat möge zwar im Laufe seiner Geschichte mehrmals einen Erdrutsch erlitten haben, dies kann jedoch nicht wesentlich gewesen sein, um heute von einer besonders merklichen Veränderung seiner gesamten Laufbahn ausgehen zu können.

Obwohl der Euphrat bei Meskene eine nordöstliche Wendung macht, so fließt er eigentlich seit jeher in die südliche Richtung, vor den Toren der Städte Rakka und Dair al Zor vorbei, dann verläßt er nach Abukamal das syrische Territorium und mündet in das irakische Staatsgebiet hinein. Indessen vertieft er sich ab Hit in die Ebene von Al Dchazira und zieht bei Kerbela, Hill, Nadchaf und Nasiriya weiter. Aber in dieser allmählich sumpfig werdenden Gegend namens Batach, wechselt der Euphrat öfter seine Bahn und sinkt oder steigt dabei. In dieser Gegend gibt es auch kaum Quellen oder Bäche mehr, die den Euphrat weiter verstärken könnten.

Aus den Hängen des Berges Karacadag, der sich zwischen den Grenzen der im Norden liegenden Stadt Urhoy befindet, strömen vier verschiedene Bäche, welche vereint die Stadt Ceylanpinar überwinden und im Süden von Tall Halaf schließlich den Fluß Chabur bilden. Es gibt aber noch andere Bäche, die dem Chabur zufließen, zum Beispiel ein Arm kommt von der Richtung Mardin-Kiziltepe dazu. Andererseits Beyazsu und Karasu, die aus den Bergen Turabdins entstehen, vereinen sich nördlich von Nusaybin in dem tiefen Bunisra Tal, ziehen ab hier unter dem Namen Dchakdchak und fließen in der Nähe der Stadt Hasake, ebenfalls dem Chabur zu.

Die syrischen und irakischen Staatsgebiete, die ungefähr zur Hälfte aus einer Wüste bestehen und im Sommer sehr heiß und trocken sind, verbrauchen einen enormen Teil des Wassers von Euphrat. Später vereint sich der Euphrat im Norden von Basra mit dem Fluß Tiglat (Tigris) und ergibt somit den Schat al Arab.

TIGRIS

Was den Tigris angeht, so kann man heute sagen, daß sein Hauptentstehungsort schon beim Hozarbaba befindet, da hier eine sehr wasserreiche Quelle vorhanden ist. Der Oberarm vom Tigris jedoch heißt deshalb Madencay, da dieser Bach aus dem Maden Gebirge entsteht. Er fließt durch viele Engpässe bei der Kleinstadt Maden und später bei Omid (Diyarbakir) vorbei. Der Tigris nimmt fortan viele Bäche, Quellen und Regenwasser mit, sei es von den Hängen des Taurus oder aus dem Süden der namhaften Berge von Turabdin.

Auf dieser langen Reise, macht der Tigris noch Bekanntschaften mit den südlichen Hängen des Roman Gebirge, wo auch Ölvorkommnisse bearbeitet werden, zieht bei Hasankeyf vorbei und nach der Überwindung mehrerer Bergengen, vereint er sich mit den Wassern von Botan, die aus der nordöstlichen Berggegend von Vansee herkommen und indessen der Städte Bitlis und Siirt einen Besuch abstatten.

Das Tal, indem der Tigris fließt, ergibt im Norden Bethnahrins mit 230 Metern Länge den größten Arm. In den westlichen Büchern bezüglich Geographie und Geschichte, wird dieser Arm auch Osttigris genannt. Der Tigris zieht ab hier in den Südosten, erreicht die Kleinstadt Cizre und steigt somit hinunter in den Gürtel des davor fließenden Chabur. Von da an, geht es durch die Felder von Cizre und später mühevoll durch die Bergketten und deren vielen Engen weiter. Folglich vereint sich der Tigris mit den Wassern von Zap im Unteren Mosul und mündet in die Ebene, die zwischen Samarra und Balad liegt. Ab hier wendet sich der Fluß nach Westen, in der Nähe von Bagdad drängt er sich an dem Euphrat, weicht jedoch wieder ab und zieht seine Bahn auf der Seite des Zagros Gebirge weiter. Aufgrund einer Stauung unterhalb von Samarra, ändert der Tigris nochmals seine Richtung, und bei Al Kurna, 64 Km. oberhalb von Basra, vereint er sich endgültig mit dem Euphrat.

Nun strömen die beiden mächtigen und legendären Flüsse Euphrat und Tigris gemeinsam, indem sie Schat al Arab aufnehmen und mit dieser Bezeichnung noch den Fluß Karun aus dem Zagros Gebirge zur Einheit nehmen, wobei diese Einheit lediglich 143 Km. lang währt, da die lange Reise endgültig in der Bucht von Basra in Erfüllung geht.

Aber Euphrat und Tigris haben nicht bloß eine lange Reise zurückgelegt, sondern dabei viel Durst und Trockenheit gestillt, Bäume, Felder und Menschen belebt. Ja, das taten sie seit Jahrtausenden und tun es heute noch, vielleicht für weitere Jahrtausende, wenn sie in ihrer Art nicht von irgendeinem kranken Menschengeist gestört oder gar zerstört werden.

Der Euphrat und Tigris waren und sind so wichtig, daß unsere Heimat Bethnahrin mit Recht als Zweistromland bezeichnet wurde. Denn wären diese Flüsse nicht, so könnte dieses vielfältig und sagenhaft schöne Land einem menschlichen Körper gleichen, einem Körper, der zwar nicht tot wäre, dem aber 2 Beine, 2 Arme oder gar 2 Augen fehlen würden.

Admin, 31.05.06


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