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Assyrische Kirche des Ostens
Assyrische Kirche des Ostens
Verbreitung:    400.000 Gläubige im Iran, Irak, Indien, Syrien, Libanon, Nordamerika, Australien
Sitz:    Mar Dinkha IV.: Morton Grove, Illinois (USA)
Mar Addai II: Bagdad (Irak)
Kirchenverwaltung:    Katholikosat des Ostens, zwei Patriarchen, da die Kirche in der Kalenderfrage gespalten ist.
a) Neukalendarier: 8 Diözesen (3 im Nahen Osten, eine in Indien, 4 in Amerika und Australien)
b) Altkalendarier: 6 Diözesen (4 im Nahen Osten, je eine in Indien und Amerika), zwei Klöster
Ritus:    Ostsyrisch
Muttersprache:    Aramäisch (Ostsyrisch), Arabisch, Persisch, Englisch
Oberhaupt:    1. Seine Heiligkeit Mar Dinkha IV. Khanania (geb. 1935), seit 1976 Katholikos-Patriarch der Apostolischen Kirche des Ostens
2. Seine Heiligkeit Mar Addai II. Givarghis (geb. 1950), seit 1972 Patriarch der Apostolischen Kirche des Ostens


Die ostsyrische Kirche konstituierte sich am Ende des 1. Jh.s außerhalb des Römischen Reiches im damaligen Partherreich in Mesopotamien. Sie führt ihre Ursprünge heute auf den Apostel Thomas, sowie auf die beiden Missionare Addai und Mari zurück, die der Kirche im Partherreich eine erste Blütezeit bescherten, die sich etwa in der Evangelienharmonie Tatians niederschlug, der im 2. Jh. in Edessa lebte. Erste Christenverfolgungen gab es erst unter dem großen Sasanidenkönig Schapur II. im späten 4. Jh., also gerade, als die Christen im Römischen Reich auf dem Weg zur Staatsreligion waren. Der Theologe Ephrem der Syrer beschrieb 363 in anschaulichen Worten die Übergabe seiner Heimatstadt Nisibis an die Sasaniden.

Diese Umstände erklären, warum erst 410 die Synode von Ktesiphon die Beschlüsse von Nizäa und Konstantinopel angenommen hatte. Weitere Verfolgungen unter Yezdegerd I., Bahram V. und Yezdegerd II. prägten den Leidensweg der persischen Christen im 5. Jh. Viele Gelehrte und Theologen verließen Nisibis und ließen sich in Edessa nieder, darunter auch Theodor von Mopsuestia (gest. 428). Eine Synode in Ktesiphon bemühte sich 424, die Unabhängigkeit der ostsyrischen Kirche von der Reichskirche zu betonen.
Nach dem Ende der Verfolgungen ließen sich viele Bischöfe Anatoliens und des römischen Mesopotamiens, die den Beschlüssen von Ephesos und Chalzedon nicht zustimmen wollten und daher abgesetzt wurden, im Sasanidenreich nieder, wo es daher nie zur Anerkennung der entsprechenden Beschlüsse kam.

Die Zwei-Naturen-Lehre der Schule von Antiochia wurde unter den Ostsyrern zur Grundlage ihrer Christologie. In der wiedererstandenen Schule von Nisibis lebte die antiochenische Tradition weiter, vor allem, nachdem Kaiser Zeno 489 die theologische Hochschule in Edessa schließen ließ. Eine weitere Synode hatte sich 486 in Ktesiphon für die dyophysitische Christologie entschieden, was zur Ursache aller bis heute bestehenden Häresievorwürfe wurde.

Aus politischen Gründen musste die ostsyrische Kirche im 6./7. Jh. gegenüber den sasanidischen Großkönigen ihre Unabhängigkeit von der Reichskirche hervorheben und ihre Eigenständigkeit beweisen. Das führte verbunden mit der Islamisierung Mesopotamiens zu einer fortschreitenden Entfremdung gegenüber dem Westen, erfuhr jedoch in der einzigartigen Geschichte der „Nestorianer“-Mission, die in Zentralasien, Indien und China im Laufe des 8. Jh.s einsetzte, ein faszinierendes Gegengewicht.

Entlang der von Richthofen im 19. Jh. Seidenstraße genannten Handelsroute entstanden in Merv, Samarkand, Taschkent, Buchara und Kaschgar, aber auch in Südindien Metropolitansitze. Patriarch Timotheos (780-823) erhob seinen Bischof in China zum Metropoliten, doch war der Chinamission nur ein bescheidener Erfolg möglich. Die ostsyrische Kirchenstruktur bestand in Zentralasien etwa 500 Jahre lang, in Indien und im Irak besteht sie bis auf den heutigen Tag. Sie umfasste um 1000 mehr als 200 Diözesen und 27 Metropolitansitze, die alle dem Katholikos in Bagdad unterstellt waren.

Die Zerstörung der ostsyrischen Diözesen durch die Mongolen ging 1258 mit jener des Kalifats von Bagdad einher, wurde aber erst durch Tamerlan am Ende des 15. Jh. vollendet. Von der ersten Katastrophe hätte man sich noch erholt. Die zweite bedeutete den Untergang der ostsyrischen Weltkirche. 1552 kam es zur Union der Chaldäer genannten Ostsyrer mit Rom. Der eigenständige, Assyrische Kirche des Ostens genannte, Teil der Ostsyrer konnte im ostanatolischen Bergland, am Urmiasee und um die Stadt Mossul seine Gläubigen zwischen den Klans der kurdischen Agas und dem Reich persischen Safawiden bis zum Ersten Weltkrieg zusammenhalten.

Dann gerieten die Assyrer unverhofft zwischen alle Fronten, als sie sich von den Engländern anwerben ließen, gegen die Osmanen vorzugehen. Der berüchtigte kurdische Banditenhäuptling lockte den jungen Katholikos Mar Beniamin in einen tödlichen Hinterhalt. Um weiteren Massakern zu entgehen, folgten die Assyrer 1920 dem englischen Angebot, sich im Südirak niederzulassen, wo in Lagern in den Sumpfgebieten nahe Basra weiter dezimiert wurden. Als Großbritannien 1933 sein Mandat im Irak zurücklegte, folgten weitere Massaker unter den Assyrern, die in der Folgezeit in alle Welt zerstreut wurden.

Die Assyrische Kirche kam nicht mehr zur Ruhe. Katholikos Mar Shimun XXIII. emigrierte 1961 aus Teheran in die USA und wurde im Nahen Osten abgesetzt, regierte aber in der Diaspora weiter. 1964 führte er eine Kalenderreform durch, womit er das bis heute bestehende Schisma hervorrief. Es gibt seither zwei Katholikoi, einen in den USA (Mar Dinkha IV., Neukalendarier) und einen in Bagdad (Mar Addai II., Altkalendarier). Die katholischen Chaldäer wurden 1917/18 gleichfalls in die Konflikte um den Untergang des Osmanischen Reiches verwickelt, konnten sich allerdings aufgrund des Rückhaltes durch die Franzosen im Libanon und in Syrien letzten Endes behaupten
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Admin, 13.07.06


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