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Mor Gabriel

Das 1.600 Jahre alte Kloster wurde von den Heiligen Mor Samuel († 433 A.D.) und Mor Simon († 433 A.D.) im Jahre 397 A.D. gegründet. Es befindet sich im Südosten der heutigen Türkei, im Herzen des Tur Abdin, dem Berg der Gottesknechte.


Mor Gabriel

Seinen Namen erhielt das Kloster durch Mor Gabriel († 568 A.D.) zu dessen Lebzeiten residierten über 750 Mönche in diesem Kloster. In seinen goldenen Jahren vom 5. bis in das 13. Jahrhundert stand den Studenten eine prächtig ausgestatte Bibliothek zur Verfügung. Seit der Gründung betreibt das Kloster im Tur Abdin ein reges klösterliches Gemeindeleben und hat somit über die Jahrtausende hindurch Christen aus dem Tur Abdin und Christen weltweit mit spiritueller Kraft in aramäischer Sprache versorgt, der Sprache unseres Herrn, Jesus Christus. Das Kloster hatte schon in früher Zeit durch seine Berühmtheit die Aufmerksamkeit bedeutender Herrscher (Arcadius 395-408 A.D., Honorius 395-423 A.D., Thedosius II 408-450 A.D. und Anastius 491-518 A.D.) aus Rom und Istanbul auf sich gezogen, die den Bau des Klosters unterstützten.

Die Hauptkirche wurde von den beiden Heiligen Mor Samuel und Mor Simon als Gebetshaus (Beth Slutho) errichtet und der Bau wurde im Jahre 512 vollendet. Die Architekten dieser Kirche waren die berühmten syrischen Architekten und Brüder Theodorus und Theodosius, die auch die Stadt Dara zwischen Mardin und Nisibis konstruierten.

Die Attraktion für die Besucher bietet der enorm große Stein (Kefo Rabtho) im nordöstlichen Teil der Hauptkirche. Ein weiteres historisches Gebäude aus dem 6. Jahrhundert ist die Kuppel von Theodora (497-458) und wurde nach der Gattin des byzantinischen Herrschers Justinian I (482-565 A.D.) benannt, die die syrischen Christen sehr unterstützte. Das Gebäude, die Kirche der Jungfrau Mutter Gottes, entstand unter Beigabe und zu Lebzeiten des Kaisers Theodosius II und ist somit in das 5. Jahrhundert einzureihen.

Das Haus der Heiligen (Beth Kadishe) wurde im Jahre 449 errichtet und befindet sich nördlich von der Kirche der Jungfrau Mutter Gottes. Es ist das berühmteste Mausoleum im Tur Abdin, in dem Reliquien von Heiligen begraben sind.

Das Kloster war während seiner 1.600 Jahre alten Geschichte nicht nur wichtiges Zentrum für religiöse Studien, sondern auch Ort der Gelehrsamkeit für Philosophie, Medizin und wissenschaftliche Bildung, obgleich in besonderem Maße für theologische Errungenschaften sehr geschätzt. Bedeutende Gelehrte wie Mor Yohanon Saoro († 504 A.D.) Philoxenos von Mabug († 523 A.D.) und der Patriarch Theodosius Romanus († 896 A.D.) sind nur wenige vieler berühmter Patriarchen, Diakone, Mönche und Lehrer, die das Kloster hervorgebracht hat.

Die Bewohner des Klosters haben durch die Jahrtausende hindurch viele grausame Plünderungen, Ermordungen und Gefangenschaften erleben müssen. In diesen heutigen Tagen ist das antike Kloster, Kulturerbe der Menschheit, einer Welle von Gerichtsprozessen ausgesetzt. Die türkische Regierung mit zunächst absurden Vorwürfen, das Kloster übe missionarische Tätigkeiten aus und dass es auf dem Grund einer ehemaligen Moschee gebaut worden sei, münden nun in einen Rechtsstreit, in dem das Landbesitz des Klosters enteignet werden soll.
Die ursprünglich vorgetragenen Gründe sind aufgrund der christlichen Minderheit von etwa 0,2 % an der Gesamtbevölkerung in der Türkei und des Baujahres des Klosters, in dem es den Islam noch überhaupt nicht gab, jedoch rasch in rechtlich verwobene Landbesitzansprüche seitens der türkischen Regierung mit Hilfe einheimischer muslimischer Kurden und Türken als Kampagne gegen die dort lebenden Christen umfunktioniert worden.

Dokumente aus osmanischer Zeit und Dokumente aus dem Jahr 1937, die den Grundbesitz des Klosters bezeugen, beeindrucken die türkische Regierung nicht. Die ständige Vertagung der Gerichtsverhandlungen und Verschleierung der tatsächlichen Absicht, nämlich die dort lebenden Christen einzuschüchtern, macht es den besorgten und verantwortlichen Personen sehr schwer dem Prozeß zu folgen. Mit großem Bedauern haben wir erfahren, dass bei der letzten Verhandlung ein Teil des Landbesitzes des Klosters als Wald ausgewiesen werden soll und für dieses Stück Land somit die Enteignung droht.

So wurde auch eine für den 2. Dezember anberaumte Gerichtsverhandlung gegen den Stiftungsvorsitzenden Kuryakos Ergün z.B. erneut verschoben, und soll nun am 17. Februar 2010 stattfinden. Er wird beschuldigt die Mauern des Klosters illegal erbaut zu haben. Die Mauern dienen jedoch nur dem Schutz des Klosters.

Die Anhänger der syrisch orthodoxen Kirche (Idto suryeyto trisat schubho) rufen alle Menschen auf der Welt an, die Prozesse um das antike Kloster zu beobachten und sich im Dialog mit der Türkei für die Aufrechterhaltung des Klosters einzubringen. Die syrisch orthodoxen Christen aus dem Tur Abdin, gelten als Ureinwohner dieser Gegend, deren Existenz auf diesem Boden bis in die Ursprünge der uns bekannten Geschichte nachweisbar ist.

Die aramäisch sprechenden Christen haben aufgrund grausamer Verfolgung und ständiger Dezimierung über die Jahrtausende hinweg durch unterschiedliche Herrscher weder die Kraft noch die nötigen Mittel aber auch nicht den richtigen Einfluss diesen Rechtsstreit zu gewinnen und sind deshalb auf jede erdenkbare Hilfe angewiesen.

Es ist das geistige Zentrum der Christen aus dem Tur Abdin, einer historischen Gegend in der das Christentum entstand und sich in die ganze Welt verbreitete.

1 Die Geschichte des Klosters Mor Gabriel ist u.a. in englischer Sprache auf der Internetseite des Klosters ausführlicher beschrieben: http://www.morgabriel.org/history.html

 

Dimit Yalu, 14. Januar 2010


DruckenDrucken | 10-02-2010, 10:31:00 | Admin

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