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„Den Teufel aus unseren Vereinen verjagen“

Für die Suryoye in ihrer angestammten Heimat war die Kirche die einzige Institution, die sich um die sozialen Belange der Suryoye gekümmert hat. Der Priester im Dorf war einer der wenigen, der Lesen und Schreiben konnte und die Kirche war sowohl geistige als auch weltliche Begegnungsstätte.
Für das dörfliche Zusammenleben in Tur Abdin war diese Einrichtung völlig ausreichend.
Heute haben fast alle Suryoye Ihre Heimat verlassen und leben verstreut über die ganze Welt von Nordamerika über Europa bis nach Australien. In den neuen Heimatländern muß sich unsere Kirche neu organisieren. Die erste und teilweise auch die jetzige Generation von Priestern sind selbst auf Hilfe angewiesen. Die meisten Suryoye aus dem Tuabdin stammen aus dörflichen Verhältnisse. Der größte Teil hat keine Schulausbildung und sind somit Analphabeten.

In den 70er und 80er Jahren war die Anzahl der Suryoye in vielen europäischen Städten derart angestiegen, daß man die Notwendigkeit sah, Begegnungsstätten zu gründen.
Die Vereine dienten in der ersten Phase als Selbsthilfeorganisationen bei behördlichen und sprachlichen Problemen. Später übernahmen die Vereine auch Aufgaben wie Kultur, Tradition und Sprache.

In den letzten 30 Jahren hat sich die Interessengemeinschaft (Verein) in Europa neben der Institution “Kirche“ durchgesetzt. Den Vereinen gelingt es alle Gesellschaftsschichten zu erreichen. So können Jung und Alt an kulturellen Aktivitäten Teilnehmen, ihre Sprachfertigkeiten in den Vereinen ausbauen, Folklore Tänze erlernen oder Neuigkeiten über die Heimat erfahren.


 „Den Teufel aus unseren Vereinen verjagen“

Bedrohliche Entwicklung


Diese anfängliche für unsere Gesellschaft positive Entwicklung der Vereine hat sich jedoch in den letzten Jahren bedrohlich verschlechtert. Durch Mißmanagement, interne Quirlen und Mitgliederschwund geraten viele Vereine in finanzielle Schwierigkeiten.
Erschwerend wirken sich die hohen selbst auferlegten Aufgaben der Vereine.

Sprache, Kultur, Musik, Fußball, Jugend, Frauen, Integration….

 Die wenigen ehrenamtlich tätigen Mitglieder werden darüber hinaus mit von den jeweiligen Zentralverbänden zusätzlich ausgesaugt.

Viele Vereine sind eigentlich wirtschaftlich bankrott. Sie überleben nur weil einige wenige Mitglieder der Vereine mit privaten Geldern diese am Leben halten.

Um die finanziellen Probleme in Griff zu bekommen, suchen viele Vereine den einfachen Weg und verbinden sich mit dem Teufel „das Kartenspiel“. Ich möchte nicht weiter auf die negativen Auswirkungen für die Vereine, Jugendlichen und der gesamten Gesellschaft eingehen. Ich glaube da reicht der Verweis auf die türkischen „Cafés“ und die Auswirkungen auf deren Gesellschaft.

Welche Auswege gibt es aus diesem Dilemma? (einige Gedanken)

Zunächst ist diese Form der Interessensgemeinschaft „Verein“ keine Erfindung der Suryoye. In Deutschland existieren Vereine seit Jahrhunderten. Sie verrichten wertvolle Arbeit für die Gesellschaft. Die Vereine ermöglichen unter anderem finanziell schwachen Familien am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen oder bemühen sich der Pflege und Erhalt bestimmter Traditionen oder Bräuche. Wir müssen unsere Augen öffnen und schauen wie die Europäer ihre Vereine organisieren.
Wir leben nicht mehr im Turabdin sondern in Europa und unsere Vereine werden sich in Zukunft mit den europäischen Vereinen messen müssen. Wir dürfen nicht nur die Rechtsform übernehmen, sondern auch die Inhalte und Organisationsformen. Wir wollen unsere Jugend auf das Leben in Europa vorbereiten und nicht auf das Leben im Turabdin.

Spezialisierung

Unsere Vereine sind „Allzweck“ Vereine geworden. Jeder Verein muß eine Fußballmannschaft, Folkloregruppe, Kartenspieler-Turniere, Frauengruppe, Jugendgruppe, Musikgruppe, Mutter-Kind-Gruppe ….gründen.
Daß diese Aufgabe sich nicht mit dem wenigen ehrenamtlichen Personal bewältigen lassen erklärt von selbst. Die Vereine müssen sich auf 2 maximal 3 Aufgaben konzentrieren um auch nachhaltig einen Erfolg zu erzielen. Ein Verein kann mit seinen meist 20-30 Jugendlichen nicht eine Fußballmannschaft, Jugendgruppe, Folkloregruppe und eine Musikgruppe aufbauen.
Dienstleistungen müssen auch honoriert werden.

Viele Eltern haben auch Kinder, die in anderen (deutschen) Vereinen eigetragen sind. Z.B. in Sportvereine, Musikvereine, Tanzvereine usw. In diesen Vereinen ist es selbstverständlich für erbrachte Leistungen zu bezahlen und Verträge abzuschließen, die mehrere Monate oder Jahre andauern. Warum soll dies bei unseren Vereinen nicht möglich sein. Natürlich unter der gleichen Voraussetzungen z. B. eines qualifizierten Betreuers.

Kapazitäten holen / Zusammenarbeiten mit anderen Vereinen

Eine Musikgruppe (oder Fußballmannschaft) kann man nicht mehr mit einem ehrenamtlichen Mitglied gründen, der vielleicht ein Musikinstrument amateurhaft spielen kann- es besteht auch keine Notwendigkeit.
Professionelle Musiklehrer gibt es in Europa genügend. Diese Kapazität müssen wir nutzen um nachhaltig eine positive Entwicklung für unsere Gesellschaft zu erreichen.

In Nachhaltigkeit investieren

Die Vereine müssen aus den vielen, sicherlich auch notwendigen Aufgaben, die Felder filtern, die Sie mit ihren Mitteln und Mitglieder auch längerfristig durchführen können. Inzwischen haben alle Verein die Erfahrung gemacht, daß weder mit einer Musikgruppe noch einer Fußballmannschaft in einem Jahr größere Erfolge zu erzielen sind. Bevor ein Verein eine Fußballmannschaft gründet, muß erst einmal das Personal, Organisation und Finanzierung sicher gestellt werden. Ansonsten ist das Scheitern nach einer kurzen Zeit garantiert.

„Den Teufel verjagen“

Vereine, die ihre Lokalität an Privatpersonen vermieten, diese dann verständliche Weise nur Ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen verfolgen, sollte man unbedingt meiden. Auch wenn der Vorstand im Jahr zwei „Kulturveranstaltungen“ organisiert, ist der Gesamtschaden für unsere Gesellschaft viel großer als der Nutzen, der durch diese Veranstaltungen erzielt wird. Die Vorstände dieser Vereine versuchen Ihre „Cafés“ mit dem Argument zu rechtfertigen: „Wenn die Mitglieder in unseren Vereine nicht spielen dürfen, dann gehen sie in türkische Cafés. Das mag für viele zutreffen, doch dann müßten diese Vereine auch einem Drogenabhängigen (überspitzt) „Stoff besorgen“, denn wenn der Vorstand dies nicht organisiert, wird sich der Abhängige dies wo anders beschaffen...

Wenn wir uns als Gesellschaft diesem „Übel“ nicht ganz entziehen können, müssen wir es aber auch nicht fördern.

Zwischen den Kartensiel gibt es keinen Raum für kulturelle Aktivitäten.

Diese Vereine hinterlassen eine Jugend, die in Ihrer Freizeit nur eine Beschäftigung kennt und das ist Kartenspiel. Die Grenzen zwischen Unterhaltung und Glückspiel sind für Kartenspieler sehr fließend. Deshalb sind und bleiben diese Vereine versteckte „Cafés“ und die erzielten Einnahmen kommen nicht der Gesellschaft zugute.

Wenn wir die negativen Auswirkungen, die durch das Kartenspiel entstehen, in unserer Gesellschaft nicht wollen, müssen wir schnellstens diesen „Teufel aus unseren Vereinen verjagen“.

 

Redaktion: Isler Cano

  
Kommentare
Vereine
Shlomo
also memo mit dieser Aussage bestätigst du eigentliche, dass das Kartenspiel etwas Schlechts ist " Bei allem was unsere einzelne Leute machen, ist das Kartenspiel das harmloseste." Ich bin auch froh das wir andere Institutionen neben der Kirche haben „ unsere Vereine“. Das sollte aber nicht heißen, wenn die Kirche etwas „Falsches“ macht, dann dürfen wir das auch machen. Im Gegenteil….

Cedo Bricho Shlome
23-12-2009, 09:23:59 | Hiro
Gießen/ Teufel
Hallo liebe Damen und Herren,

ich frage mich,woher ihr euch solche dinge raus nimmt.
Habt ihr nichts besseres zu tun?
Bevor du oder ihr den Teufel vertreiben wollt,dann soltet ihr erst einmal in eurer Kirche anfangen.
Das ist gut und das ist scheiße,bekommt man nur zu hören,das Volk brauch taten und keine feststellungen.
Bei allem was unsere einzelne Leute machen,ist das Kartenspiel das harmloseste.
Ihr dürft nicht vergessen,das im Verein kein kumar gespielt wird aber in türkischen schon,es gibt einen sehr großen Unterschied zwischen den türkischen cafes und unseren vereinen.
Vertreib
21-12-2009, 16:02:34 | mero


DruckenDrucken | 21-12-2009, 08:50:00 | Admin

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